Eine Pause aus Schülersicht – Zwölfte Klasse

Stundenende. Sofort Smartphone in die Hand. Sachen zusammen packen und nebenbei E-Mails checken. Zum nächsten Zimmer gehen und nebenbei E-Mails beantworten. Dabei fast eine Lehrerin umrennen. Im Zimmer angekommen, erst mal was essen. Nebenbei im Sekundentakt abwechselnd Facebook und Twitter aufrufen.

Verdammt! Habt ihr die Hausaufgabe gemacht? Die Übersetzung?“

Übersetzung? Was denn für eine Übersetzung?“

Na, die die wir letzte Stunde angefangen hatten. Die sollten wir doch zu Ende machen. Fällt mir gerade wieder ein.“IMG_5349a

Also ich hab nichts in meinem Hausaufgabenheft stehen.“

Zwei Schüler gleichzeitig: „Florian, du hast kein Hausaufgabenheft!“

Ach, stimmt ja…“

Miss B. schiebt leicht Panik, weil es sich um Englisch handelt. Die anderen bleiben ganz gechillt.

Ist jetzt eh egal. Das schaff ich in der Zeit jetzt nicht mehr. Ich sag einfach, ich hab’s vergessen.“

Nein. Miss B. weiß, dass sie eine Buchseite in zehn Minuten übersetzen kann – und wenn es sie die Hand kostet (wegen Schreibkrampf und so…)! Beim Übersetzen schießt es ihr durch den Kopf: Jetzt hab ich Blabla auf Twitter noch gar nicht geantwortet. Und auf’s Klo wollt ich auch noch. Und dann wollt ich noch mit der einen Lehrerin die Sache mit der Arbeit klären. Nächste Pause dann also. Miss B. ist mit fünf Sechsteln der Übersetzung fertig, da klingelt es. Stundenbeginn. Das heißt, jetzt hat sie noch genau drei Minuten, bevor die Lehrerin ins Zimmer kommt. Den letzten Satz kleckst sie genau in dem Moment hin, als die Schritte der Lehrerin näher kommen (ja, man kann Lehrerinnen an ihren Schritten erkennen).

Uff, noch mal gut gegangen. Jetzt kann die Stunde ja los gehen.

Die Hausaufgabe wird nicht kontrolliert, weil die Lehrerin sie selbst vergessen hat.

Liebe Grüße,

Miss B

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