Von Veränderung und Prokrastinationsverzweiflung

Tür

Nunmehr fast 2 Jahre sind vergangen seit meinen letzten gedanklichen Ergüssen. Das Besondere ist zum Bekannten geworden, das Strahlen in den Augen eines Erstsemesters zum genervten Augenrollen eines Fünftsemesters, das „Oooh, ein neuer Dozent!“ zu einem „Kann ja fast nicht noch schlimmer werden…“ Die netten Container der Fakultät sind festen Mauern gewichen, die „Suppenmensa“ einem Mensazelt. Aber vieles ist auch gleich geblieben: Das Chaos der Prüfungsanmeldung, die Gerüchteküche, überfüllte Kurse, „Das ist halt die TU…Exzellenzuni…“, dass ich überfordert bin beim Gedanken an die französische Sprache und dass ich mich und alle in meinem Umfeld regelmäßig vor Prüfungen fertig mache. Ja, ich bin noch dabei. Beim Studieren – Englisch und Französisch auf Lehramt –, Organisieren, Diskutieren, Akzeptieren, Funktionieren. Und manchmal erkläre ich mich selbst für verrückt. Immer dann, wenn die pure Prokrastinationsverzweiflung über mich herfällt. Weil ich nun mal gerne Dinge vor mir herschiebe und unter Stress besser funktioniere – immer noch. Dann bin ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber das mache ich nicht, denn ich habe immer noch einen Wunsch: Lehrerin werden.

Ich hoffe nun, wieder öfter Unianekdoten, Schülersprüche und Dozentenstilblüten preisgeben zu können und erkläre diesen Blog nun offiziell für wiederbelebt.

Liebe Grüße,

Miss B

Dinge, die ich in der (Praktikums-)Schule gelernt habe – Letzter Teil

Es gibt nicht nur Anglizismen, es geht auch andersherum.
“When you believe something wouldn’t happen and then it doch happens.”

Wenn der Lehrer den Schülern in Klasse 7 eine kleine Orientierungsmöglichkeit auf dem Arbeitsblatt liefern möchte: “Upper left handside“, und das in ratlosen Gesichtern endet. Lehrer (resigniert): „…obenlinks.”

Wenn die Schüler nicht verstehen, was der Lehrer überhaupt meint.
Lehrer: „Da fehlt eine Präposition vor dem Datum. How do you say, for example, when it’s your birthday?”
Schüler (nach kurzem Überlegen): “It’s my birthday.”

Die Sache mit dem “Bär” und dem “Bier.”
Schüler: “I can see a polar beer.” Apple

Und der Klassiker natürlich, wenn die Schüler in einer Fremdsprache versuchen, einfach deutsche Wörter ein wenig abzuwandeln, weil es könnte ja stimmen.
Lehrer: “What can you do with a cooker?”
Schüler: “I can cooken.”

Lehrer: “What is a thing you put tea in?”
Schüler: “A tass.”

In dem Sinne ist diese Kategorie vorerst auch leider schon wieder vorbei, aber die nächsten schulischen Betätigungen meinerseits folgen bestimmt alsbald.

Liebe Grüße,
Miss B

Uni- und Dozentenstilblüten – Teil III

Wir schauen uns einen Film mit sehr schlechter Tonqualität über Rüstung im Britischen Empire an. Ich verstehe alle paar Minuten mal ein Wort.

Ich: „Law & Order – das kenn ich!“ 😀

Ich: „Der heißt ABBA – ich mag ABBA!“

                       

In Französisch neigen wir manchmal ein wenig dazu, die deutsche Sprache zu verlernen. Unsere Dozentin berichtet daraufhin, was eine Studentin neulich übersetzt hat: Je suis stressé = Ich bin stressiert.

 

Im Tutorium üben wir für die Klausur. Der Tutor sagt: „Ich hab die Klausurfragen ja schon gesehen…“

Studentin: „Magst du Schokolade?“

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Der Dozent spricht zum Thema Presse in Frankreich.

Dozent: „Lesen Sie vor allem auch in Ihrem Leben nach der Klausur französische Presse.“

Ich: „Es gibt ein Leben nach der Klausur…?“

 

Der Dozent sammelt die Abschluss-Essays ein.

Dozent: „Dann lese ich die alle bis nächste Woche durch und wenn ich mir dann noch keinen Strick genommen habe, bin ich nächste Woche wieder da und wir gehen die zusammen durch.“

 

Liebe Grüße,

Miss B

Uni-Sprüche oder Was Dozenten so von sich geben – Teil II

Dozent: „Und er hat getan, was jeder König tat. Jagen und essen…und wieder jagen…und noch mal essen.“

Wir reden über den Sinn von Werbung. Wenn Werbung ehrlich wäre: „Buy Coke! It’s basically just brown sugar water.“

Dozent in englischer Vorlesung, nachdem er schon angesetzt hatte, Englisch zu reden: “Ich muss noch mal kurz Deutsch werden mit euch.“

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Der Dozent hat endlich ein Mikrofon für den viel zu großen Raum bekommen, in dem er in den letzten Wochen seine Stimme immer bis zur Belastungsgrenze austesten musste. Sein Kommentar dazu: „Leider müssen Sie dann ab sofort damit leben, dass Ihr Dozent bei dieser Vorlesung wie Frank Sinatra aussieht.“

Es geht darum, wie man ein positives Lernklima aufrecht erhält, wenn man schlechte Noten verteilen muss. Nach einigen Diskussionen zwischen Dozentin und Studenten, fragt eine Studentin: „Aber es gibt ja auch Schüler, die wirklich lernen und besser werden wollen, die aber der Belastung von allen Seiten nicht standhalten; die einfach ein wenig instabil sind.“

Dozentin (wortwörtlich!): „Dann schicken Sie den auf die Waldorf-Schule.“

Der Dozent ruft die Namen der Studenten auf: „Frau Pizza…da hatte jemand eine schwere Kindheit.“

 

Nachdem er die Namen von den Studenten aufgerufen hat, die die Hausaufgaben abgeben sollen, wartet der Dozent noch auf einen Studenten, der noch seinen Namen unter die Hausaufgabe setzen möchte und schreibt und schreibt und schreibt.

Dozent: „Sie sollen die Hausaufgabe nicht jetzt schreiben…“

Student: „Ich schreibe nur meinen Namen drunter.“

Dozent: „Sie schreiben jetzt seit fünf Minuten.“

Student: „Ich habe einen langen Namen..:“

 

Dozent: „Da fragen Sie mal im Erasmus-Büro nach…die sind zwar nicht sehr freundlich da, aber tief in ihrer Seele haben die Damen auch Herzen.“

 

Liebe Grüße,

Miss B

Entlassung à la Uni – Alle Studenten exmatrikuliert

Wenn man Sonntagmorgens aufwacht, natürlich ganz die brave Studentin ist und seine Uni-Email checkt (das mach ich sonst nie an einem Sonntag, glaubt mir!)…und erst mal einen Riesenschock bekommt, da man Folgendes liest:

 

„Sehr geehrte(r) Frau/Herr Miss B,

in zwölf Tagen wird Ihr Login —– gesperrt. Dies geschieht, weil Sie als Student exmatrikuliert worden sind, als Mitarbeiter Ihr Vertrag geendet hat oder die Gültigkeit Ihres Gastlogins abläuft. Bitte beachten Sie, dass Sie sich eventuell in diesem Login gespeicherte Daten sichern, damit es für Sie zu keinen Datenverlusten kommt. Mit der Sperrung des Logins ist auch kein Zugriff auf die ZIH-Mailbox mehr möglich.“

 

Da gab es wohl am Sonntagmorgen weit über 45.000 kleine oder große Schocks. Denn ALLE Studenten meiner Uni haben diese Email bekommen. Und nicht nur das. Alle Mitarbeiter wurden nebenbei ebenfalls entlassen…um 2 Uhr nachts, vom Samstag auf den Sonntag…via Email. Ein bisschen hat sich das angefühlt wie Schlussmachen per SMS. „Schön, dass wir Sie kennenlernen durften, aber wir brauchen Sie jetzt nicht mehr. Bye bye.“

 

Natürlich hat es sich dabei um keine offizielle Email gehandelt. Systemfehler. Die Kommentare mancher Studenten waren aber äußerst witzig.

„Das ist also die Exzellenzinitiative, von der gesprochen wurde. Alle Studenten exmatrikulieren – mehr Geld und Zeit für Forschung.“ Dumm nur, dass sie die Mitarbeiter ja auch alle entlassen haben…

Am besten fand ich: „Niemand hat die Absicht, jemanden zu exmatrikulieren. – ZIH, 2013“ (@Erikmitk)

„Vielleicht gibt es ja für uns alle noch eine feierliche Exmatrikulation!“

„Das ist wie bei der Deutschen Bahn. Wenn der Zug voll ist, müssen eben ein paar aussteigen und sehen, wie sie klar kommen.“

„Wer in der Nacht vom Samstag zum Sonntag seine Unimailadresse checkt, sollte auch exmatrikuliert werden.“

 

Ich meine, ich fand die Busse, Mensen und Hörsäle ja auch immer ein wenig überfüllt. Vielleicht war es aber doch ein genialer Streich der Maschinenbaustudenten, die die Uni nun endgültig komplett übernehmen wollen…

 

Liebe Grüße,

Miss B

Uni-Sprüche oder Was Dozenten so von sich geben

Da sich nach den ersten zwei Wochen Uni bereits schon wieder eine kleine Ansammlung an Sprüchen…na eben angesammelt hat, wollte ich die mal mit euch teilen. Jedes Mal, wenn ein Dozent wieder einen witzigen Spruch von sich gibt, werde ich hellhörig, zücke meinen Stift und kritzele den jeweiligen Spruch ganz klein auf den Rand des Blattes, das ich gerade beschreibe. Was ich während der Schulzeit nämlich vergessen habe – die Sprüche der Lehrer aufzuschreiben – möchte ich in der Uni nicht verpassen.

Der Dozent erklärt Interjunctions: „Das sind z.B. Ausrufe wie wow, oh, ah…holy cow!“

Gleicher Dozent erklärt die Reihenfolge des Satzbaus: „Es ist immer subject and verb. Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb… Hört sich an wie ein Gebet. Ich geh dann auch immer auf die Knie und bete.“ Er reckt seine Hände gen Himmel: „Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb.“

Es geht um Platon, der alle “poets” als Lügner dargestellt hat, und um Aristoteles, der diese Meinung nicht teilte und “poets” als „Überbringer einer höheren Wahrheit“ bezeichnete. Wir sprechen darüber, dass Quentin Tarantino in seinem Film “Inglourious Basterds” ja auch viele Tatsachen verändert hat und damit laut Platon ein Lügner sei.Dozent: „And according to Aristotle, Tarantino offers truth in a higher sense… please don’t quote me on that.” (Sorry for quoting you…)Dozent

Der Dozent fasst das Denken der Briten über das Empire zusammen: “Home sweet home, wherever you go.”

Die Dozentin geht die Anwesenheitsliste durch und ruft jeden Namen auf, woraufhin sich der jeweilige Student melden soll. Neben mir sitzt ein männlicher Student. Dozentin ruft auf: „Sabrina!“ Der Student neben mir zieht sich seine Jacke an und streckt dabei den Arm in die Luft. Dozentin: „Ja? Waren Sie das jetzt?“ Miss B. bekommt einen 5-minütigen Lachanfall.

Und weil es so schön war, folgt bestimmt bald Teil 2. Und ich bin immer noch stark am Überlegen, ob ich die Kategorie “Universitätsleben” in “Der ganz normale Uni-Wahnsinn” ändern soll…

Liebe Grüße,

Miss B.

Einer von vielen

Ich habe schon so einige Schülerblogs und noch viel mehr Lehrerblogs gelesen. Die meisten davon sind witzig, brilliant geschrieben und die Wahrheit, die in ihnen steckt, ist fast schon erschreckend. Und da ich ziemlich gern schreibe, habe ich mich kurzerhand dazu entschieden, einen eigenen Blog anzufangen.

Ich schreibe eigentlich schon seit ich sechs Jahre bin. Gut, ziemlich viele Menschen in Deutschland schreiben vermutlich, seit sie sechs oder sieben sind, da man es zu dieser Zeit ja nun mal in der Schule lernt. Was ich meine ist, dass ich schon immer eine blühende Fantasie hatte und diese mit sechs Jahren endlich auch in schriftlicher Form ausdrücken konnte. Das zeigte sich in hunderten kurzer und langer Geschichten, die ich seitdem geschrieben habe, und mein allererster Berufswunsch war es, Schriftstellerin zu werden. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass nicht jeder vom Schreiben zum Millionär werden kann, wie es Joanne K. Rowling – damals mein großes Vorbild – geschafft hatte. Ich wusste: es muss noch ein anderer Beruf her, bei dem man auch tatsächlich Geld verdienen könnte. Also entschied mein mittlerweile achtjähriges Selbst: Ich will Lehrerin werden. Warum? Naja, weil mein anderes großes Vorbild damals halt meine Grundschulklassenlehrerin war. Aus heutiger Sicht finde ich das ziemlich niedlich-naiv, aber der Berufswunsch hat sich hartnäckig gehalten. Nur ein was hat sich geändert, und zwar die Schulform. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken angefreundet, Ersatzmama für zwanzig oder mehr Sechs- bis Zehnjährige zu „spielen“ bis…ja, bis mich vor ca. zwei Jahren meine damalige Englischlehrerin fragte, warum denn „nur“ Grundschullehrerin und nicht Gymnasiallehrerin. Und da habe ich mich hingesetzt und noch mal ernsthaft nachgedacht, und mir ist bewusst geworden, dass ich mich in der Grundschule wahrscheinlich fachlich wahnsinnig unterfordert fühlen würde. Ich brauche Schüler, die sich für Literatur und englische Sprache genauso begeistern können wie ich (ich weiß, dass das auch am Gymnasium die Ausnahme sein wird…keine Angst, so desillusioniert bin ich noch nicht!). Und so studiere ich jetzt also „Höheres Lehramt an Gymnasien“ mit der Fächerkombination Englisch und Französisch. Aber zu der Fächerkombination sag ich in einem extra Blogeintrag noch mal etwas, denn es war ein Hin und Her, bis ich mich endlich für diese beiden Fächern entschied.

So viel also zu mir. Ich freue mich, hier in Zukunft Einträge zum Lehramtsstudentenleben, zu Uni, Praktika, Lehrern, Schulen, Sprache (besonders Englisch und Französisch) und vielem mehr mit euch teilen zu können.

Liebe Grüße,

Miss B.