Von Veränderung und Prokrastinationsverzweiflung

Tür

Nunmehr fast 2 Jahre sind vergangen seit meinen letzten gedanklichen Ergüssen. Das Besondere ist zum Bekannten geworden, das Strahlen in den Augen eines Erstsemesters zum genervten Augenrollen eines Fünftsemesters, das „Oooh, ein neuer Dozent!“ zu einem „Kann ja fast nicht noch schlimmer werden…“ Die netten Container der Fakultät sind festen Mauern gewichen, die „Suppenmensa“ einem Mensazelt. Aber vieles ist auch gleich geblieben: Das Chaos der Prüfungsanmeldung, die Gerüchteküche, überfüllte Kurse, „Das ist halt die TU…Exzellenzuni…“, dass ich überfordert bin beim Gedanken an die französische Sprache und dass ich mich und alle in meinem Umfeld regelmäßig vor Prüfungen fertig mache. Ja, ich bin noch dabei. Beim Studieren – Englisch und Französisch auf Lehramt –, Organisieren, Diskutieren, Akzeptieren, Funktionieren. Und manchmal erkläre ich mich selbst für verrückt. Immer dann, wenn die pure Prokrastinationsverzweiflung über mich herfällt. Weil ich nun mal gerne Dinge vor mir herschiebe und unter Stress besser funktioniere – immer noch. Dann bin ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber das mache ich nicht, denn ich habe immer noch einen Wunsch: Lehrerin werden.

Ich hoffe nun, wieder öfter Unianekdoten, Schülersprüche und Dozentenstilblüten preisgeben zu können und erkläre diesen Blog nun offiziell für wiederbelebt.

Liebe Grüße,

Miss B

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Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil II

Praktikum, Tag 2:

Erwähne nie nie nie nie nie das Wort „Feiertag“ gegenüber einem Lehrer.

Ich: „Hach, ist das nicht schön, dass morgen Feiertag ist?“

Meine Lieblingsmentorin: „Mhm…“

Kurz darauf im Lehrerzimmer, Mentorin unterhält sich mit anderer Lehrerin: „Und ich muss morgen noch das und das im Haushalt machen und dies und jenes…Exkursionsplanung…Korrekturen…“

Ich (in Gedanken): „Vergessen Sie bitte, dass ich dieses Wort mit dem „Feier“ am Anfang jemals in den Mund genommen habe.“hand2

 

Ich sehe anscheinend doch älter aus als ich dachte. Zumindest fand ich es ziemlich süß, als mich meine Mentorin schon mal ohne sie ins Klassenzimmer geschickt hat und das allererste, was die kleinen Sechstklässler mich gefragt haben, als ich ins Zimmer kam „Unterrichten Sie uns heute? Bitte bitte bitte!“ war.

 

Bei Hospitationen ist man die Attraktion Nummer eins im Klassenzimmer – zumindest in den jüngeren Klassen. Ständig geht irgendwo ein Kopf herum und starrt dich an. Hihihi.

 

Ich bin mit meinen Bewertungen schon gar nicht so schlecht. Nach mehreren Vorträgen im LK haben sich die Mentorin und ich in der Pause kurz über die Noten ausgetauscht und siehe da, wir hätten beide exakt die gleichen Notenpunkte gegeben, aus exakt den gleichen Gründen.

 

Richtig niedlich ist es auch, wenn die kleine Cousine aus der Sek I in der Hofpause am Lehrerzimmer klopft und fragt, „ob denn vielleicht die Miss B. da ist“ und die Lieblingsmentorin mich ganz verdutzt ansieht, weil sie nicht weiß, dass es meine Cousine ist.

 

Und, last but not least, wusstet ihr, dass es einen „flu market“ gibt? Ob man da wohl Krankheiten kaufen kann?

„Ein Mal swine flu (Schweinegrippe) zum halben Preis!“

„Kaufen Sie zwei – bezahlen Sie eins! Influenza, swine flu, bird flu, wir haben alles im Angebot!“

Gemeint war natürlich der „flea market“ (also Flohmarkt). So passiert in einer siebten Klasse.

Liebe Grüße,

Miss B

Uni-Sprüche oder Was Dozenten so von sich geben

Da sich nach den ersten zwei Wochen Uni bereits schon wieder eine kleine Ansammlung an Sprüchen…na eben angesammelt hat, wollte ich die mal mit euch teilen. Jedes Mal, wenn ein Dozent wieder einen witzigen Spruch von sich gibt, werde ich hellhörig, zücke meinen Stift und kritzele den jeweiligen Spruch ganz klein auf den Rand des Blattes, das ich gerade beschreibe. Was ich während der Schulzeit nämlich vergessen habe – die Sprüche der Lehrer aufzuschreiben – möchte ich in der Uni nicht verpassen.

Der Dozent erklärt Interjunctions: „Das sind z.B. Ausrufe wie wow, oh, ah…holy cow!“

Gleicher Dozent erklärt die Reihenfolge des Satzbaus: „Es ist immer subject and verb. Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb… Hört sich an wie ein Gebet. Ich geh dann auch immer auf die Knie und bete.“ Er reckt seine Hände gen Himmel: „Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb.“

Es geht um Platon, der alle “poets” als Lügner dargestellt hat, und um Aristoteles, der diese Meinung nicht teilte und “poets” als „Überbringer einer höheren Wahrheit“ bezeichnete. Wir sprechen darüber, dass Quentin Tarantino in seinem Film “Inglourious Basterds” ja auch viele Tatsachen verändert hat und damit laut Platon ein Lügner sei.Dozent: „And according to Aristotle, Tarantino offers truth in a higher sense… please don’t quote me on that.” (Sorry for quoting you…)Dozent

Der Dozent fasst das Denken der Briten über das Empire zusammen: “Home sweet home, wherever you go.”

Die Dozentin geht die Anwesenheitsliste durch und ruft jeden Namen auf, woraufhin sich der jeweilige Student melden soll. Neben mir sitzt ein männlicher Student. Dozentin ruft auf: „Sabrina!“ Der Student neben mir zieht sich seine Jacke an und streckt dabei den Arm in die Luft. Dozentin: „Ja? Waren Sie das jetzt?“ Miss B. bekommt einen 5-minütigen Lachanfall.

Und weil es so schön war, folgt bestimmt bald Teil 2. Und ich bin immer noch stark am Überlegen, ob ich die Kategorie “Universitätsleben” in “Der ganz normale Uni-Wahnsinn” ändern soll…

Liebe Grüße,

Miss B.

Die Frage der Fragen – Fächerwahl

Die Wahl der Fächer ist neben der Wahl der Schulart vermutlich eine der wichtigsten Entscheidungen, wenn man sich dazu entschließt, Lehrer zu werden – mal ganz abgesehen davon, dass man zuvor auch mal den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden sollte, ob man überhaupt geeignet ist für den Lehrerberuf. Dafür gibt es z.B. einige Online-Selbst-Tests, die dabei weiterhelfen, u.a. beim CCT Germany und beim VBE.

Für mich standen meine beiden Fächer von der dritten bis zur achten Klasse eigentlich fest. Denn Deutsch und Kunst gehörten zu mir wie der Sturm und Drang zu Goethe und der Kubismus zu Picasso. Ich liebte und lebte diese Fächer schon damals. Begeistert las ich in der ersten Klasse „Harry Potter“ und in der Sechsten schon „Romeo und Julia“, schrieb Aufsätze, die laut Aussage meiner Lehrer „druckreif“ waren und verbrachte einen Großteil meiner Freizeit nur mit Lesen, Schreiben und Malen. Für mich stand die Fächerfrage bis dato also komplett außer Frage.

In der achten Klasse aber beginnt die „schwierige Phase“, die bekanntermaßen auch eine Phase der Umorientierung ist. Meine Interessen änderten sich und plötzlich musste Kunst für Englisch Platz machen, denn an Deutsch hing ich noch zu sehr. In dieser Konstellation ging es dann weiter bis zum letzten Schuljahr – und dann…tja, dann wurde es ernst. So langsam musste ich mich wirklich entscheiden. Englisch stand fest. Felsenfest. Aber von allen Seiten kamen sie an, befreundete Lehramtsstudenten, Freunde und vor allem Lehrer: „Du willst Deutsch und Englisch machen? Na, davon rate ich dir aber ab. Das würde ich nicht machen. Viel zu korrekturintensiv. Da arbeitest du dich tot!“

Gut, dachte ich. Mit Deutsch, erörtern und interpretieren, Faust und Juli Zeh, würde ich eh nicht glücklich werden. Ich brauche ein neues Zweitfach. Die Voraussetzungen an dieses: nicht zu korrekturintensiv, muss mich begeistern, muss mit meiner Abinote vereinbar sein, damit ich an meiner favorisierten Universität studieren kann. Sofort fiel mir da meine alte Liebesbeziehung mit Kunst ein. Außerdem Französisch, ein Fach, für welches ich mich schon seit der sechsten Klasse begeistern konnte, welches später dann aber wegen Englisch weichen musste und seitdem meine ewige Nummer Zwei der Sprachen ist. Und aus irgendeinem unerklärlichen Grund hatte sich dann noch Geschichte eingeschlichen in meine Gedanken – ein Fach, in dem ich zwar nicht schlecht war, aber ich bin mir sicher, ich wäre ein schlechter Geschichtslehrer geworden, denn meine Begeisterung für das Fach ging gegen null. Dabei finde ich es ziemlich wichtig, dass ein Lehrer sich für sein Fach nicht nur müde interessiert, sondern begeistert. Wie sollte er sonst andere, seine Schüler, dafür begeistern können?

Dennoch, meine Abinote erfüllte den NC vom Vorjahr, und bevor ich mit gar keinem Studienplatz da stand…

Auch für Deutsch bewarb ich mich. In Englisch bestand ich den Eignungstest und hatte immerhin das sicher. Kunst versuchte ich gar nicht erst, denn ich hörte regelrechte Gruselgeschichten über den Kunst-Eignungstest, in denen immer mindestens ein weinender Bewerber vorkam.

Nach ein wenig Warten kam dann der Tag der Wahrheit – zwei Briefe der Uni flatterten ins Haus. Eine Absage und eine Zusage. Die Absage für Deutsch. Die Zusage für Geschichte. Ausgerechnet. Geschichtslehrerin…Geschichte. Je öfter ich es in meinem Kopf wiederholte, desto falscher klang das Ganze. Ich setzte mich also erneut hin und überlegte noch ein Mal.

Mit Geschichte hätte ich weder die Begeisterung, noch die geringe Korrekturintensivität erfüllt. Es blieb nur noch ein einziges Fach übrig, das in Frage kommen würde, und das war Französisch. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, Französisch zu studieren. Nur ein was lag zu diesem Zeitpunkt noch zwischen meiner neuen Traumkombination: ein weiterer Eignungstest und die Erkenntnis, dass dafür mein Abiturdurchschnitt komplett egal gewesen wäre und ich mich folglich auch nicht derart hätte anstrengen und aufregen müssen bei den Prüfungen!

Ich bestand den Französisch Test. Irgendwie. Fragt mich nicht, denn ich hätte es selbst nie gedacht, da der Test ein Sprachniveau B1 erforderte.

Und kurz darauf durfte ich mich Studentin für Höheres Lehramt an allgemeinbildenden Gymnasien – Fächer Englisch und Französisch nennen. War es die richtige Wahl? Ich weiß es nicht. Französisch ist okay, aber in fünf Jahren werde ich vor einer Klasse stehen und soll es ihnen beibringen. Eine Sprache, die ich momentan noch alles andere als perfekt kann. Mal sehen.

Liebe Grüße,

Miss B.

Einer von vielen

Ich habe schon so einige Schülerblogs und noch viel mehr Lehrerblogs gelesen. Die meisten davon sind witzig, brilliant geschrieben und die Wahrheit, die in ihnen steckt, ist fast schon erschreckend. Und da ich ziemlich gern schreibe, habe ich mich kurzerhand dazu entschieden, einen eigenen Blog anzufangen.

Ich schreibe eigentlich schon seit ich sechs Jahre bin. Gut, ziemlich viele Menschen in Deutschland schreiben vermutlich, seit sie sechs oder sieben sind, da man es zu dieser Zeit ja nun mal in der Schule lernt. Was ich meine ist, dass ich schon immer eine blühende Fantasie hatte und diese mit sechs Jahren endlich auch in schriftlicher Form ausdrücken konnte. Das zeigte sich in hunderten kurzer und langer Geschichten, die ich seitdem geschrieben habe, und mein allererster Berufswunsch war es, Schriftstellerin zu werden. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass nicht jeder vom Schreiben zum Millionär werden kann, wie es Joanne K. Rowling – damals mein großes Vorbild – geschafft hatte. Ich wusste: es muss noch ein anderer Beruf her, bei dem man auch tatsächlich Geld verdienen könnte. Also entschied mein mittlerweile achtjähriges Selbst: Ich will Lehrerin werden. Warum? Naja, weil mein anderes großes Vorbild damals halt meine Grundschulklassenlehrerin war. Aus heutiger Sicht finde ich das ziemlich niedlich-naiv, aber der Berufswunsch hat sich hartnäckig gehalten. Nur ein was hat sich geändert, und zwar die Schulform. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken angefreundet, Ersatzmama für zwanzig oder mehr Sechs- bis Zehnjährige zu „spielen“ bis…ja, bis mich vor ca. zwei Jahren meine damalige Englischlehrerin fragte, warum denn „nur“ Grundschullehrerin und nicht Gymnasiallehrerin. Und da habe ich mich hingesetzt und noch mal ernsthaft nachgedacht, und mir ist bewusst geworden, dass ich mich in der Grundschule wahrscheinlich fachlich wahnsinnig unterfordert fühlen würde. Ich brauche Schüler, die sich für Literatur und englische Sprache genauso begeistern können wie ich (ich weiß, dass das auch am Gymnasium die Ausnahme sein wird…keine Angst, so desillusioniert bin ich noch nicht!). Und so studiere ich jetzt also „Höheres Lehramt an Gymnasien“ mit der Fächerkombination Englisch und Französisch. Aber zu der Fächerkombination sag ich in einem extra Blogeintrag noch mal etwas, denn es war ein Hin und Her, bis ich mich endlich für diese beiden Fächern entschied.

So viel also zu mir. Ich freue mich, hier in Zukunft Einträge zum Lehramtsstudentenleben, zu Uni, Praktika, Lehrern, Schulen, Sprache (besonders Englisch und Französisch) und vielem mehr mit euch teilen zu können.

Liebe Grüße,

Miss B.