Die Frage der Fragen – Fächerwahl

Die Wahl der Fächer ist neben der Wahl der Schulart vermutlich eine der wichtigsten Entscheidungen, wenn man sich dazu entschließt, Lehrer zu werden – mal ganz abgesehen davon, dass man zuvor auch mal den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden sollte, ob man überhaupt geeignet ist für den Lehrerberuf. Dafür gibt es z.B. einige Online-Selbst-Tests, die dabei weiterhelfen, u.a. beim CCT Germany und beim VBE.

Für mich standen meine beiden Fächer von der dritten bis zur achten Klasse eigentlich fest. Denn Deutsch und Kunst gehörten zu mir wie der Sturm und Drang zu Goethe und der Kubismus zu Picasso. Ich liebte und lebte diese Fächer schon damals. Begeistert las ich in der ersten Klasse „Harry Potter“ und in der Sechsten schon „Romeo und Julia“, schrieb Aufsätze, die laut Aussage meiner Lehrer „druckreif“ waren und verbrachte einen Großteil meiner Freizeit nur mit Lesen, Schreiben und Malen. Für mich stand die Fächerfrage bis dato also komplett außer Frage.

In der achten Klasse aber beginnt die „schwierige Phase“, die bekanntermaßen auch eine Phase der Umorientierung ist. Meine Interessen änderten sich und plötzlich musste Kunst für Englisch Platz machen, denn an Deutsch hing ich noch zu sehr. In dieser Konstellation ging es dann weiter bis zum letzten Schuljahr – und dann…tja, dann wurde es ernst. So langsam musste ich mich wirklich entscheiden. Englisch stand fest. Felsenfest. Aber von allen Seiten kamen sie an, befreundete Lehramtsstudenten, Freunde und vor allem Lehrer: „Du willst Deutsch und Englisch machen? Na, davon rate ich dir aber ab. Das würde ich nicht machen. Viel zu korrekturintensiv. Da arbeitest du dich tot!“

Gut, dachte ich. Mit Deutsch, erörtern und interpretieren, Faust und Juli Zeh, würde ich eh nicht glücklich werden. Ich brauche ein neues Zweitfach. Die Voraussetzungen an dieses: nicht zu korrekturintensiv, muss mich begeistern, muss mit meiner Abinote vereinbar sein, damit ich an meiner favorisierten Universität studieren kann. Sofort fiel mir da meine alte Liebesbeziehung mit Kunst ein. Außerdem Französisch, ein Fach, für welches ich mich schon seit der sechsten Klasse begeistern konnte, welches später dann aber wegen Englisch weichen musste und seitdem meine ewige Nummer Zwei der Sprachen ist. Und aus irgendeinem unerklärlichen Grund hatte sich dann noch Geschichte eingeschlichen in meine Gedanken – ein Fach, in dem ich zwar nicht schlecht war, aber ich bin mir sicher, ich wäre ein schlechter Geschichtslehrer geworden, denn meine Begeisterung für das Fach ging gegen null. Dabei finde ich es ziemlich wichtig, dass ein Lehrer sich für sein Fach nicht nur müde interessiert, sondern begeistert. Wie sollte er sonst andere, seine Schüler, dafür begeistern können?

Dennoch, meine Abinote erfüllte den NC vom Vorjahr, und bevor ich mit gar keinem Studienplatz da stand…

Auch für Deutsch bewarb ich mich. In Englisch bestand ich den Eignungstest und hatte immerhin das sicher. Kunst versuchte ich gar nicht erst, denn ich hörte regelrechte Gruselgeschichten über den Kunst-Eignungstest, in denen immer mindestens ein weinender Bewerber vorkam.

Nach ein wenig Warten kam dann der Tag der Wahrheit – zwei Briefe der Uni flatterten ins Haus. Eine Absage und eine Zusage. Die Absage für Deutsch. Die Zusage für Geschichte. Ausgerechnet. Geschichtslehrerin…Geschichte. Je öfter ich es in meinem Kopf wiederholte, desto falscher klang das Ganze. Ich setzte mich also erneut hin und überlegte noch ein Mal.

Mit Geschichte hätte ich weder die Begeisterung, noch die geringe Korrekturintensivität erfüllt. Es blieb nur noch ein einziges Fach übrig, das in Frage kommen würde, und das war Französisch. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, Französisch zu studieren. Nur ein was lag zu diesem Zeitpunkt noch zwischen meiner neuen Traumkombination: ein weiterer Eignungstest und die Erkenntnis, dass dafür mein Abiturdurchschnitt komplett egal gewesen wäre und ich mich folglich auch nicht derart hätte anstrengen und aufregen müssen bei den Prüfungen!

Ich bestand den Französisch Test. Irgendwie. Fragt mich nicht, denn ich hätte es selbst nie gedacht, da der Test ein Sprachniveau B1 erforderte.

Und kurz darauf durfte ich mich Studentin für Höheres Lehramt an allgemeinbildenden Gymnasien – Fächer Englisch und Französisch nennen. War es die richtige Wahl? Ich weiß es nicht. Französisch ist okay, aber in fünf Jahren werde ich vor einer Klasse stehen und soll es ihnen beibringen. Eine Sprache, die ich momentan noch alles andere als perfekt kann. Mal sehen.

Liebe Grüße,

Miss B.