Dinge, die ich in der (Praktikums-)Schule gelernt habe – Teil V

Die Schüler ab der sechsten Klasse vermischen wirklich gern mal die beiden Fremdsprachen, die sie lernen. Dass dies allerdings auch in der fünften Klasse passieren kann, war mir bis jetzt unbekannt. Immerhin haben die in der Fünften noch nicht mal Französisch! Und trotzdem schreiben sie beim Diktieren von „room“ lieber „romme“ auf ihr Blatt – und ich bezweifle, dass sie das Kartenspiel Rommé kennen.

 

Verstehendes Hören in Englisch: „His pet is a parrot.“

Schülerin schreibt auf: „His pet is a parent.“ Nice one!

 

Es geht um Weihnachtstraditionen, die die Schüler zu Hause haben. Eine Schülerin erzählt: „Every year, we go and feed the deers. Except for last year-“

Die Lehrerin unterbricht sie: „Because last year you ate them.”

Es führt zu allgemeinen Lachanfällen, wenn man solche Sachen raushaut, ohne vorher darüber nachzudenken.

 Unbenannt

Die Schüler sollen mit dem Wörterbuch arbeiten. Eines der Wörter, welches sie übersetzen sollen, ist „piles.“ Ich kannte das bis jetzt auch nur als „Stapel“, aber meine Mentorin kommt nach einem kleinen Gespräch mit einem Schüler zu mir hinter und meint: „Weißt du, was das noch heißt? Hämorrhoiden. Und das steht natürlich ganz oben im Wörterbuch.“

Und genau das hatte der Schüler auch aufgeschrieben.

 

Ich finde das fast genauso witzig wie eine fünfte Klasse, dass die Übersetzung für Feige „fig“ lautet. Wie kindisch ist das denn bitte…

 

Nach ein paar Wochen im Lehrerzimmer kenne ich jetzt mehr Gerüchte und Wer-kann-mit-wem-Konstellationen als in all den sieben Jahren, die ich als Schülerin an der Schule war, zusammen genommen.

 

Lehrer lieben es, sich gegenseitig Geschenke zu machen. Die ersten Weihnachtsgeschenke standen schon vor drei Wochen auf dem Tisch meiner Mentorin. Jetzt, in der letzten Schulwoche vor Weihnachten, gab es so viel, dass sie mir sogar etwas davon weitergeschenkt hat. *freu*

 

In der letzten Woche vor den befreienden Weihnachtsferien gibt es nur noch drei Arten von Lehrern:

1. Die, die jeden Tag so aussehen, als wöllten sie gleich jemanden umbringen. Grimmiger Blick und Nullbocklaune verbreitend.

2. Die, die die Ferien so dringend nötig haben, dass sie kurz davor sind, ihren eigenen Namen zu vergessen.

3. Die, die schon richtig in Weihnachtsstimmung sind, den ganzen Tag breit grinsen und überall gute Laune verbreiten. Zu dieser letzten Art gehört meine Mentorin. Ich fand das richtig süß, wie gut sie drauf war diese Woche.

 

Liebe Grüße und schöne Weihnachten,

Miss B

Advertisements

Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil IV

Es kommt gar nicht gut an, wenn man als Schüler des Leistungskurses erst seinen Vortrag vergisst (ich berichtete) und dann bereits auf der ersten Seite der Präsentation fünf Fehler hat…wenn da nur vier Wörter stehen. (Und natürlich wusste ich das auch vor meinem Praktikum schon.)

 

Schüler der fünften bis siebten Klasse haben es nicht so mit der Aussprache in Englisch…und Französisch…und auch nicht so mit den Vokabeln…und der Grammatik. Chrmchrm. Zum Beispiel:

Schüler: „I’d be very accident.“ (excited)

Schüler: „It’s the 5th of Novembre.“ („Novembre” natürlich Französisch ausgesprochen. Denen geht es wie mir.)

Schülerin1: „Was ist das Gegenteil von very?“

Schülerin2: „Ich hab unvery geschrieben.“ Obwohl das rein logisch gar nicht mal so falsch ist, wenn man bedenkt, wie Kinder Sprache lernen und anwenden.

 

Es geht mir doch ein wenig nah, wenn eine Schülerin der fünften Klasse in der Klassenarbeit eine 4- bekommt und bitterlich weint. Noten sind doch nicht alles!

 

Schüler einer 6. Klasse (habe ich zufällig mitbekommen): „Twitter ist doof. Voll unübersichtlich.“

Ein 12-Jähriger hat ja auch auf Twitter nichts zu suchen!

 

Verlasse dich nie darauf, wenn du vollbepackt ankommst und dir ein paar Sechstklässler sagen, dass das Zimmer noch belegt ist. Nach fünf Minuten habe ich dann doch mal einen Blick in das (leere!!) Zimmer geworfen…

 

Liebe Grüße,

Miss B

Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil III

Praktikum, Tag 3:

 

Es sorgt für viel Gelächter in einer fünften Klasse, wenn eine Schülerin in Englisch lautstark verkündet, dass sie „elf years old“ ist.

 

Die Kleinen sind soooo leicht zu begeistern – da braucht es draußen nur mal für ein paar Minuten große, dicke Flocken schneien und schon sind alle aus dem Häuschen (meine Mentorin übrigens mit inbegriffen). Das zaubert einem wirklich ein Lächeln ins Gesicht.

 

Wenn man einen Vortrag halten soll und der Termin dafür schon seit Wochen feststeht, dann reagiert der Lehrer nie besonders begeistert darauf, wenn der entsprechende Schüler einem dann fünf Minuten vor Beginn der Stunde mitteilt, dass er den Vortrag zuhause vergessen hat. Es zieht allerdings (fast) immer, wenn der Schüler eine Schülerin ist, die einen mit hochrotem Kopf und mit großen, unschuldigen Kulleraugen ansieht und sich tausend Mal entschuldigt.

 

Als Praktikant lebt man in der Schule in einer Art „Zwischenwelt“. Man kann über die Witze der Schüler lachen und grinst in sich hinein bei Dingen, bei denen der Lehrer nur mit den Augen rollen kann. Andererseits kann man auch mit dem Lehrer mitfühlen und mit lachen bei Sachen, die die Schüler nicht lustig finden oder nicht verstehen. Also mit anderen Worten: eigentlich bin ich die meiste Zeit nur am Lachen.

 

Es war die beste Idee an meine alte Schule zurückzugehen – nicht nur, weil ich dort alles und jeden kenne, sondern weil meine Mentorin eine der besten Lehrerinnen der Schule ist (ernsthaft, bei ihr sind die SuS immer ruhig – und ich habe noch nicht herausgefunden, wie sie das anstellt), sie mir unglaublich viel hilft, wir den gleichen Humor haben und man mit ihr auch mal über andere Themen als Schule reden kann.

 

Liebe Grüße,

Miss B

Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil II

Praktikum, Tag 2:

Erwähne nie nie nie nie nie das Wort „Feiertag“ gegenüber einem Lehrer.

Ich: „Hach, ist das nicht schön, dass morgen Feiertag ist?“

Meine Lieblingsmentorin: „Mhm…“

Kurz darauf im Lehrerzimmer, Mentorin unterhält sich mit anderer Lehrerin: „Und ich muss morgen noch das und das im Haushalt machen und dies und jenes…Exkursionsplanung…Korrekturen…“

Ich (in Gedanken): „Vergessen Sie bitte, dass ich dieses Wort mit dem „Feier“ am Anfang jemals in den Mund genommen habe.“hand2

 

Ich sehe anscheinend doch älter aus als ich dachte. Zumindest fand ich es ziemlich süß, als mich meine Mentorin schon mal ohne sie ins Klassenzimmer geschickt hat und das allererste, was die kleinen Sechstklässler mich gefragt haben, als ich ins Zimmer kam „Unterrichten Sie uns heute? Bitte bitte bitte!“ war.

 

Bei Hospitationen ist man die Attraktion Nummer eins im Klassenzimmer – zumindest in den jüngeren Klassen. Ständig geht irgendwo ein Kopf herum und starrt dich an. Hihihi.

 

Ich bin mit meinen Bewertungen schon gar nicht so schlecht. Nach mehreren Vorträgen im LK haben sich die Mentorin und ich in der Pause kurz über die Noten ausgetauscht und siehe da, wir hätten beide exakt die gleichen Notenpunkte gegeben, aus exakt den gleichen Gründen.

 

Richtig niedlich ist es auch, wenn die kleine Cousine aus der Sek I in der Hofpause am Lehrerzimmer klopft und fragt, „ob denn vielleicht die Miss B. da ist“ und die Lieblingsmentorin mich ganz verdutzt ansieht, weil sie nicht weiß, dass es meine Cousine ist.

 

Und, last but not least, wusstet ihr, dass es einen „flu market“ gibt? Ob man da wohl Krankheiten kaufen kann?

„Ein Mal swine flu (Schweinegrippe) zum halben Preis!“

„Kaufen Sie zwei – bezahlen Sie eins! Influenza, swine flu, bird flu, wir haben alles im Angebot!“

Gemeint war natürlich der „flea market“ (also Flohmarkt). So passiert in einer siebten Klasse.

Liebe Grüße,

Miss B

Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil I

Praktikum, Tag 1:

Lehrerinnen putzen lieber ein Mal komplett das Haus, hängen Wäsche auf und staubsaugen alle Zimmer als sich an einen Satz Klausuren zu setzen und diese zu korrigieren. Aus jetziger Sicht für mich noch absolut unverständlich. Wie kann man denn bitte lieber etwas aufräumen als die kreativen Gedankenergüsse seiner Schüler zu-…okay, ich glaube, ich kann es nachvollziehen.

Wenn deine Mentorin bei der Hospitation in der Sek I deinen Namen aufruft, bist nicht du gemeint, sondern die stille Schülerin in der dritten Reihe. Wenn deine Mentorin deinen Namen aber während der Hospitation in der Sek II aufruft, bist in der Tat du gemeint und alle erwarten eine produktive Antwort von dir. hand

Wenn Lehrer in der Pause gestört werden, gehen sie nur an die Tür, wenn sie den Schüler auch leiden können, der davor steht und mit ihnen sprechen will. Das heißt, meine Lehrer konnten mich alle ganz gut leiden, denn die sind immer alle regelrecht zur Tür gestürzt, wenn ich als Schülerin in der Pause geklopft habe. Ach ja, und die Lehrer, die in Richtung Tür sitzen, sind auch die, die immer aufstehen müssen – weswegen sich meine Mentorin immer in die hinterste Ecke quetscht.

Heutzutage ist es vollkommen okay, im Leistungskurs Englisch einen Vortrag zum Thema „Hipster“ zu halten…aber immerhin wusste ich, was der „Harlem Shake“ ist und hatte damit meiner Mentorin schon einiges voraus. Hab mich trotzdem ziemlich alt gefühlt. Aber ernsthaft: was läuft nur schief in dieser Welt, wenn Schüler einer elften Klasse am Gymnasium solche Sprüche bringen wie „Wozu brauche ich Bildung, wenn ich Swag habe?“ Ernsthaft?!

Es ist nur halb so schlimm, an seine ehemalige Schule zu gehen, um dort Praktikum zu machen. Klar, die Lehrer sind immer noch dieselben, mit den gleichen Unterrichtsmethoden wie damals, die man schon in und auswendig kennt, aber es macht dennoch Spaß und man gewinnt viele neue Eindrücke, die man vorher als Schüler nicht kannte.Und man sieht seine Lieblingslehrerin (jetzt Lieblingsmentorin) mal wieder. 🙂

Lehrer sind auch nur Menschen. Das habe ich zwar bereits bei vorherigen Praktika festgestellt, aber ich möchte es doch noch einmal betonen. Auch wenn meine kleine Cousine (Schülerin an meiner Praktikumsschule) da ganz anderer Meinung ist – „Das sind keine Menschen, sondern Tyrannen! Böse Tyrannen, die uns (Schüler) quälen wollen.“ „Och, in der Pause wirkten sie ganz menschlich auf mich.“ „Ja, da haben sie ja auch Pause vom Tyrannen sein.“

Schüler probieren es immer wieder, im Fremdsprachenunterricht doch erst mal auf Deutsch zu antworten bzw. Denglisch zu reden. „I think it was a wunderschöner Tag da.“ Und auch ein mehrmaliges Augenrollen der Lehrkraft kann daran nichts ändern.

Liebe Grüße,

Miss B

Alte Peinlichkeiten 3 – Englisch Klasse 6

Englisch, 6. Klasse:

1. „At lunch time, Charlie was in the hole.“

Nein, Charlie war eigentlich in der “hall”.

2. zjtn4m

Den Rest der Aufgabe (eine Postkarte zu schreiben) habe ich zwar nicht hinbekommen, aber die Briefmarke durfte natürlich nicht leer bleiben! Sonst kommt die Karte ja gar nicht an!

3. „English is better than German. But it’s not as good as French.”

So weit, so gut…

“Nick is stronger than Jimmy. But it’s not as strong as Jack.”

Jetzt lautet die Frage: “What’s a “Nick”?”

4. Brief an die Klassenlehrerin:

„Dear Mrs. H,

I write to you because your book. The book has got very many mistakes. That’s very silly. You gave me your book, to correct my mistakes, but I can’t correct the mistakes, then your book have mistakes. Can you correct them?”

Ob meine Lehrerin wusste, was ich von ihr wollte???

5. „Acid rain deads much trees.“

Liebe Grüße,

Miss B.

Uni-Sprüche oder Was Dozenten so von sich geben

Da sich nach den ersten zwei Wochen Uni bereits schon wieder eine kleine Ansammlung an Sprüchen…na eben angesammelt hat, wollte ich die mal mit euch teilen. Jedes Mal, wenn ein Dozent wieder einen witzigen Spruch von sich gibt, werde ich hellhörig, zücke meinen Stift und kritzele den jeweiligen Spruch ganz klein auf den Rand des Blattes, das ich gerade beschreibe. Was ich während der Schulzeit nämlich vergessen habe – die Sprüche der Lehrer aufzuschreiben – möchte ich in der Uni nicht verpassen.

Der Dozent erklärt Interjunctions: „Das sind z.B. Ausrufe wie wow, oh, ah…holy cow!“

Gleicher Dozent erklärt die Reihenfolge des Satzbaus: „Es ist immer subject and verb. Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb… Hört sich an wie ein Gebet. Ich geh dann auch immer auf die Knie und bete.“ Er reckt seine Hände gen Himmel: „Subjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverbsubjectverb.“

Es geht um Platon, der alle “poets” als Lügner dargestellt hat, und um Aristoteles, der diese Meinung nicht teilte und “poets” als „Überbringer einer höheren Wahrheit“ bezeichnete. Wir sprechen darüber, dass Quentin Tarantino in seinem Film “Inglourious Basterds” ja auch viele Tatsachen verändert hat und damit laut Platon ein Lügner sei.Dozent: „And according to Aristotle, Tarantino offers truth in a higher sense… please don’t quote me on that.” (Sorry for quoting you…)Dozent

Der Dozent fasst das Denken der Briten über das Empire zusammen: “Home sweet home, wherever you go.”

Die Dozentin geht die Anwesenheitsliste durch und ruft jeden Namen auf, woraufhin sich der jeweilige Student melden soll. Neben mir sitzt ein männlicher Student. Dozentin ruft auf: „Sabrina!“ Der Student neben mir zieht sich seine Jacke an und streckt dabei den Arm in die Luft. Dozentin: „Ja? Waren Sie das jetzt?“ Miss B. bekommt einen 5-minütigen Lachanfall.

Und weil es so schön war, folgt bestimmt bald Teil 2. Und ich bin immer noch stark am Überlegen, ob ich die Kategorie “Universitätsleben” in “Der ganz normale Uni-Wahnsinn” ändern soll…

Liebe Grüße,

Miss B.

Die Frage der Fragen – Fächerwahl

Die Wahl der Fächer ist neben der Wahl der Schulart vermutlich eine der wichtigsten Entscheidungen, wenn man sich dazu entschließt, Lehrer zu werden – mal ganz abgesehen davon, dass man zuvor auch mal den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden sollte, ob man überhaupt geeignet ist für den Lehrerberuf. Dafür gibt es z.B. einige Online-Selbst-Tests, die dabei weiterhelfen, u.a. beim CCT Germany und beim VBE.

Für mich standen meine beiden Fächer von der dritten bis zur achten Klasse eigentlich fest. Denn Deutsch und Kunst gehörten zu mir wie der Sturm und Drang zu Goethe und der Kubismus zu Picasso. Ich liebte und lebte diese Fächer schon damals. Begeistert las ich in der ersten Klasse „Harry Potter“ und in der Sechsten schon „Romeo und Julia“, schrieb Aufsätze, die laut Aussage meiner Lehrer „druckreif“ waren und verbrachte einen Großteil meiner Freizeit nur mit Lesen, Schreiben und Malen. Für mich stand die Fächerfrage bis dato also komplett außer Frage.

In der achten Klasse aber beginnt die „schwierige Phase“, die bekanntermaßen auch eine Phase der Umorientierung ist. Meine Interessen änderten sich und plötzlich musste Kunst für Englisch Platz machen, denn an Deutsch hing ich noch zu sehr. In dieser Konstellation ging es dann weiter bis zum letzten Schuljahr – und dann…tja, dann wurde es ernst. So langsam musste ich mich wirklich entscheiden. Englisch stand fest. Felsenfest. Aber von allen Seiten kamen sie an, befreundete Lehramtsstudenten, Freunde und vor allem Lehrer: „Du willst Deutsch und Englisch machen? Na, davon rate ich dir aber ab. Das würde ich nicht machen. Viel zu korrekturintensiv. Da arbeitest du dich tot!“

Gut, dachte ich. Mit Deutsch, erörtern und interpretieren, Faust und Juli Zeh, würde ich eh nicht glücklich werden. Ich brauche ein neues Zweitfach. Die Voraussetzungen an dieses: nicht zu korrekturintensiv, muss mich begeistern, muss mit meiner Abinote vereinbar sein, damit ich an meiner favorisierten Universität studieren kann. Sofort fiel mir da meine alte Liebesbeziehung mit Kunst ein. Außerdem Französisch, ein Fach, für welches ich mich schon seit der sechsten Klasse begeistern konnte, welches später dann aber wegen Englisch weichen musste und seitdem meine ewige Nummer Zwei der Sprachen ist. Und aus irgendeinem unerklärlichen Grund hatte sich dann noch Geschichte eingeschlichen in meine Gedanken – ein Fach, in dem ich zwar nicht schlecht war, aber ich bin mir sicher, ich wäre ein schlechter Geschichtslehrer geworden, denn meine Begeisterung für das Fach ging gegen null. Dabei finde ich es ziemlich wichtig, dass ein Lehrer sich für sein Fach nicht nur müde interessiert, sondern begeistert. Wie sollte er sonst andere, seine Schüler, dafür begeistern können?

Dennoch, meine Abinote erfüllte den NC vom Vorjahr, und bevor ich mit gar keinem Studienplatz da stand…

Auch für Deutsch bewarb ich mich. In Englisch bestand ich den Eignungstest und hatte immerhin das sicher. Kunst versuchte ich gar nicht erst, denn ich hörte regelrechte Gruselgeschichten über den Kunst-Eignungstest, in denen immer mindestens ein weinender Bewerber vorkam.

Nach ein wenig Warten kam dann der Tag der Wahrheit – zwei Briefe der Uni flatterten ins Haus. Eine Absage und eine Zusage. Die Absage für Deutsch. Die Zusage für Geschichte. Ausgerechnet. Geschichtslehrerin…Geschichte. Je öfter ich es in meinem Kopf wiederholte, desto falscher klang das Ganze. Ich setzte mich also erneut hin und überlegte noch ein Mal.

Mit Geschichte hätte ich weder die Begeisterung, noch die geringe Korrekturintensivität erfüllt. Es blieb nur noch ein einziges Fach übrig, das in Frage kommen würde, und das war Französisch. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, Französisch zu studieren. Nur ein was lag zu diesem Zeitpunkt noch zwischen meiner neuen Traumkombination: ein weiterer Eignungstest und die Erkenntnis, dass dafür mein Abiturdurchschnitt komplett egal gewesen wäre und ich mich folglich auch nicht derart hätte anstrengen und aufregen müssen bei den Prüfungen!

Ich bestand den Französisch Test. Irgendwie. Fragt mich nicht, denn ich hätte es selbst nie gedacht, da der Test ein Sprachniveau B1 erforderte.

Und kurz darauf durfte ich mich Studentin für Höheres Lehramt an allgemeinbildenden Gymnasien – Fächer Englisch und Französisch nennen. War es die richtige Wahl? Ich weiß es nicht. Französisch ist okay, aber in fünf Jahren werde ich vor einer Klasse stehen und soll es ihnen beibringen. Eine Sprache, die ich momentan noch alles andere als perfekt kann. Mal sehen.

Liebe Grüße,

Miss B.