Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil I

Praktikum, Tag 1:

Lehrerinnen putzen lieber ein Mal komplett das Haus, hängen Wäsche auf und staubsaugen alle Zimmer als sich an einen Satz Klausuren zu setzen und diese zu korrigieren. Aus jetziger Sicht für mich noch absolut unverständlich. Wie kann man denn bitte lieber etwas aufräumen als die kreativen Gedankenergüsse seiner Schüler zu-…okay, ich glaube, ich kann es nachvollziehen.

Wenn deine Mentorin bei der Hospitation in der Sek I deinen Namen aufruft, bist nicht du gemeint, sondern die stille Schülerin in der dritten Reihe. Wenn deine Mentorin deinen Namen aber während der Hospitation in der Sek II aufruft, bist in der Tat du gemeint und alle erwarten eine produktive Antwort von dir. hand

Wenn Lehrer in der Pause gestört werden, gehen sie nur an die Tür, wenn sie den Schüler auch leiden können, der davor steht und mit ihnen sprechen will. Das heißt, meine Lehrer konnten mich alle ganz gut leiden, denn die sind immer alle regelrecht zur Tür gestürzt, wenn ich als Schülerin in der Pause geklopft habe. Ach ja, und die Lehrer, die in Richtung Tür sitzen, sind auch die, die immer aufstehen müssen – weswegen sich meine Mentorin immer in die hinterste Ecke quetscht.

Heutzutage ist es vollkommen okay, im Leistungskurs Englisch einen Vortrag zum Thema „Hipster“ zu halten…aber immerhin wusste ich, was der „Harlem Shake“ ist und hatte damit meiner Mentorin schon einiges voraus. Hab mich trotzdem ziemlich alt gefühlt. Aber ernsthaft: was läuft nur schief in dieser Welt, wenn Schüler einer elften Klasse am Gymnasium solche Sprüche bringen wie „Wozu brauche ich Bildung, wenn ich Swag habe?“ Ernsthaft?!

Es ist nur halb so schlimm, an seine ehemalige Schule zu gehen, um dort Praktikum zu machen. Klar, die Lehrer sind immer noch dieselben, mit den gleichen Unterrichtsmethoden wie damals, die man schon in und auswendig kennt, aber es macht dennoch Spaß und man gewinnt viele neue Eindrücke, die man vorher als Schüler nicht kannte.Und man sieht seine Lieblingslehrerin (jetzt Lieblingsmentorin) mal wieder. 🙂

Lehrer sind auch nur Menschen. Das habe ich zwar bereits bei vorherigen Praktika festgestellt, aber ich möchte es doch noch einmal betonen. Auch wenn meine kleine Cousine (Schülerin an meiner Praktikumsschule) da ganz anderer Meinung ist – „Das sind keine Menschen, sondern Tyrannen! Böse Tyrannen, die uns (Schüler) quälen wollen.“ „Och, in der Pause wirkten sie ganz menschlich auf mich.“ „Ja, da haben sie ja auch Pause vom Tyrannen sein.“

Schüler probieren es immer wieder, im Fremdsprachenunterricht doch erst mal auf Deutsch zu antworten bzw. Denglisch zu reden. „I think it was a wunderschöner Tag da.“ Und auch ein mehrmaliges Augenrollen der Lehrkraft kann daran nichts ändern.

Liebe Grüße,

Miss B

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4 thoughts on “Dinge, die ich während meines Praktikums gelernt habe – Teil I

  1. Spätestens im Ref weißt du wie das mit dem Korrigieren so ist. 🙂 Im Praktikum hab ich mich da auch voller Elan rangesetzt. 🙂

    Das finde ich voll doof, wenn man hospitiert, sich auf etwas anderes als den Inhalt konzentriert und dann noch gefragt wird. Scheiße vom Lehrer.

    Och der Swag/Bildungssatz steht doch exemplarisch für diese neue Generation (die es auch noch in meiner Generation gibt, aber bei den Jüngeren verstärkter) irgendwie.

    • Meine Mentorin meint es sicherlich auch nur gut mit mir; dass ich mich nicht im Unterricht langweile und so. Ansonsten ist sie nämlich echt spitze und war ja auch mal meine Lieblingslehrerin (wobei ich dadurch jetzt bestimmt ein wenig voreingenommen bin). 🙂
      LG,
      Miss B

  2. i think that was a sehr lustiger Post 😀

    Aber an der ehemaligen Schule Praktikum machen? Ouhh, das würd ich irgendwie nicht – also nicht, dass ich meine Lehrer nicht mag, aber ist da nicht ein bisschen komisch?

    • Habe ich anfangs auch gedacht, aber so schlimm ist das eigentlich gar nicht – im Gegenteil. Man kennt sich schon untereinander, hat Themen, über die man reden kann, wird überall freundlich gegrüßt und fühlt sich einfach, als wenn man “dazu” gehört. An anderen Schulen ist das nicht das Gleiche.
      Jetzt würde ich sagen, es ist das beste, was mir passieren konnte, dass ich an meine ehemalige Schule gegangen bin. 🙂

      Liebe Grüße,
      Miss B

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