Technik, die (sowohl Praktikantin als auch Lehrerin) begeistert

Eine kleine Anekdote von meinem letzten Praktikum:

Wenn die Computer in der Schule (mehr als üblich) spinnen, dann legt sich das nicht nur auf die Nerven der Informatiklehrerin, sondern auch auf die der Schüler, die sie unterrichtet. Denn wenn die Technik schon eine halbe Stunde braucht, um sich nur hochzufahren, bleibt nicht einmal mehr genug Zeit, um das zu schaffen, was man in der Stunde eigentlich machen wollte mit den Kindern, geschweige denn Zeit für das Spielen der geliebten Online-Spiele, das den Kindern sonst immer nach Erfüllung des Arbeitsauftrages vergönnt ist. Unbenannt

Miss B. und die Lehrerin sitzen also eine halbe Stunde flehentlich vor den Computern und reden gut auf sie ein, in der Hoffnung, dass sie unsere Bitten, doch endlich hochzufahren, erhören. Aber natürlich Pustekuchen! Nebenbei versuchen wir noch, die Kinder in Schach zu halten, denn eine dritte Klasse sitzt ja keine halbe Stunde still auf ihren Plätzen und starrt auf blaue Windows-Bildschirme.

Als einige, wenige dann endlich doch hochgefahren waren, verkündete die Lehrerin: „Wartet bitte noch, bevor ihr eure Passwörter und Namen eingebt! Die alten Passwörter funktionieren nicht mehr, die wurden in den Ferien gelöscht. Ihr müsst euch dann neue machen.“

Die Ansage schien zu einem Ohr rein und zum anderen raus gegangen zu sein, und eine Minute später riefen die ersten: „Ich komm hier nicht rein! Das geht nicht. Da steht „Passwort ungültig“.“

Und andere hatten das Wörtchen „dann“ überhört und riefen den anderen dazwischen: „Jetzt geht hier gar nichts mehr. Ich hab ein neues Passwort gemacht, aber das wollte der nicht.“

Da wir nur zu Zweit waren (schon eine Person mehr als normalerweise…), hatten wir Probleme, den Rufen hinterher zu kommen, denn die lieben Kleinen geben dann ja auch keine Ruhe, sondern rufen gemeinschaftlich, noch lauter: „Guck doch mal!“, was die Lehrerin ignoriert hat. Da ich ihr als Praktikantin nicht in den Unterricht hinein pfuschen wollte, habe ich, trotz langsam stärker werdender Kopfschmerzen, auch nichts gesagt.

Als dann endlich alle versorgt und alle Computer hochgefahren waren, sollten sich alle ein neues Passwort anlegen und das dann gleich irgendwo aufschreiben und der Lehrerin sagen, die ihre Schäflein ja kennt und weiß, dass die Passwörter sonst beim nächsten Mal Anmelden längst vergessen gewesen wären. Alle Schüler tragen ihre Namen ein, geben ein neues Passwort ein und…bei allen kommt das Gleiche: „Name oder Passwort ungültig“.

Nach ein wenig Herumprobieren, was nichts bringt, geht die Lehrerin auf die Suche nach dem Computer-verantwortlichen Lehrer. Manche Computer haben sich inzwischen aufgehängt und die Kinder hauen wie wild auf den Tasten herum, wovon ich sie nur mit Mühe abbringen kann. „Die Frau D. sagt da auch nie was, wenn wir das machen!“

Fünf Minuten später kommt die Lehrerin wieder ins Zimmer, einen anderen Informatiklehrer hinter sich her ziehend. Der guckt sich das Problem an und meint: „Die Namen sind auch anders jetzt. Da dürfen die nicht mehr ihre vollständigen Namen eintragen, sondern so abgekürzt.“ Er erklärt der Lehrerin, wie das Ganze funktioniert und geht wieder. Erneuter Versuch. Jetzt klappt alles. Die Lehrerin geht mit Stift und Zettel herum und will die neuen Passwörter von allen aufschreiben. Drei Schüler haben die mittlerweile wieder vergessen. Bei einer Schülerin hat sich der Computer wieder aufgehängt und da sie ca. hundert Mal auf den Internet Explorer geklickt hat, öffnet sich dieser ein paar Minuten später in genau der Anzahl Fenstern, was den Computer natürlich noch mehr verlangsamt, sodass gar nichts mehr geht. Mittlerweile ist von den zwei Unterrichtsstunden noch eine viertel Stunde übrig geblieben. Die Lehrerin schreibt für die anderen den Arbeitsauftrag an das Whiteboard, während ich mich um die Schülerin mit den hundert Internet Explorer-Fenstern kümmere.

Noch fünf Minuten. Die Lehrerin bittet die SuS, ihre Dateien abzuspeichern und Computer herunterzufahren. „Was? Kein Spiel heute? Das ist voll unfair!“ rufen die Schüler aus allen Ecken und protestieren.

Bei den nächsten Klassen dasselbe. Ich weiß: Ich werde niemals Informatiklehrerin.

Liebe Grüße,
Miss B.

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7 thoughts on “Technik, die (sowohl Praktikantin als auch Lehrerin) begeistert

  1. Oh weija. Also ich will nicht die Informatiklehrerin kritisieren, aber meine Mentorin hat mir als aller erstes geraten: “Alles, was du schon in der Pause vorbereiten kannst, mach auch in der Pause. Denn dann erhöht sich die effektive Lernzeit der SuS um ein Vielfaches.”
    Tafelbilder, Materialien austeilen / an die entsprechenden Stellen legen / sortieren, PCs hochfahren und vorbereiten. Klar, dass man dafür auch nur etwa 10 Minuten Zeit hat. Aber dann würde einem ja schon auffallen, dass vielleicht was nicht stimmt und könnte schneller reagieren oder sich kurzfristig eine Beschäftigungsaufgabe überlegen, solange man sich mit dem zweiten Informatiklehrer abstimmt… Was meinst du?

    PS: Ich hasse es, wenn Schüler auf Tastaturen rumhacken oder tausendfach auf Ions (doppel-)klicken!!! So was wird es bei mir nicht geben, wenn doch, gibt’s PC-Sperre und ne andere Aufgabe!!!

    • Das Problem dabei war, dass wir direkt aus einer anderen Klasse kamen und in den 5 Minuten Pause zwischen den Stunden musste sie andere wichtige Absprachen führen. Und da wir an diesem Tag noch dazu die ersten im Computer-Kabinett waren, hätte das also auch keiner vorher wissen können. Es ist halt alles ein wenig dumm gelaufen.

      • Es wird hoffentlich kein nächstes Mal geben. 😛 Informatik gehört ja nicht zu meinen Fachrichtungen. Das war damals nur ein Orientierungspraktikum. Da war es egal, was der Mentor unterrichtet hat.

  2. Die neuen Medien sollen so gut sein, dass sie völlig unproblematisch einzusetzen sind, auch unter den geschilderten Umständen. Ich lasse, obwohl Info-Lehrer, meist die Finger davon. Im Fach Informatik ist das was anderes, das ist das Problem zu lösen.

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